Samstag, 22. Juli 2017

In der Plauderecke mit ... Schwarzbuch-Verlag

Endlich hat sich mal wieder ein Verleger in meine Fänge gewagt. Ich freue mich heute mit Stephan Schwarz zu quatschen. Viel Spaß beim Lesen und Stöbern.  


1. Zunächst einmal: Wer bist du ?
Auch bayrische Innenminister müssen sich mal einen guten Krimi durchlesen!
Mein Name ist Stephan Schwarz und ich bin Inhaber des Schwarzbuch Verlages. Geboren wurde ich Bremen und lebe heute in Bayern. Bücher haben mich mein ganzes Leben schon begleitet und inzwischen habe ich so ungefähr 5000 Bücher bei mir Zuhause stehen. Ich liebe es zu lesen und könnte mir ein Leben ohne
Lesen und Bücher nicht vorstellen.


2. Und was ist dein Verlag?
Den Schwarzbuch Verlag habe ich am 13.Februar 2015 gegründet, das war ein Freitag und den Gewerbeschein habe ich am 01.April 2015 beantragt. Die beiden Daten zeigen schon ganz klar, wie ich denke und handle. Ich glaube, dass man nicht abergläubisch sein darf und dass jeder sein eigenes Glück zum großen Teil in den eigenen Händen hält. Es gibt 5 Rubriken, in denen wir Bücher verlegen: Fachbücher in der Blauen Reihe, Kinderbücher in der Weißen Reihe, Krimis in der Schwarzen Reihe, Kunst & Kultur in der Grünen Reihe und Erotik in der Roten Reihe. Ich versuche meinem Verlag ein eigenes Gesicht zu geben und die Freude am Buch wiederzubeleben. Deshalb führen wir auf der Facebook-Seite vom Schwarzbuch Verlag auch immer wieder tolle Gewinnspiele durch. Im Juni startete eine Schatzsuche, bei der der Gewinner 500 Euro in Bar gewann. Dazu gibt es jeden Monat einen Buchgutschein im Wert von 30 Euro zu gewinnen. Also schaut dort einfach vorbei und macht mit.

3.Wie kamst du zu dem Beruf und dem Verlag?
Ich habe meine ersten beiden Krimis, die ich geschrieben hatte, in einem fremden Verlag verlegen lassen. Ich selbst habe 8 Jahre gesucht, bis ich einen Verlag gefunden habe, der an mich geglaubt hat. Dann wurde ich gefragt, ob ich nicht Lust hätte ein Musical zu schreiben. Ich habe sofort Ja gesagt und dann gedacht, dass ich das Musical auch gerne gedruckt haben würde. Aber das Musical hat nicht in das Verlagsprogramm gepasst, also habe ich spontan beschlossen einen eigenen Verlag zu gründen, der sich um die Vermarktung des Musicals kümmert. So habe ich halt den Verlag gegründet. Danach dachte ich, dass ich dann auch mehrere Bücher – auch von fremden Autoren -verlegen kann.

4.Was magst du an deinem Beruf am liebsten?
Ich kann mich wann immer ich will mit Büchern beschäftigen. Ich kann mich um die Vermarktung, Messen und Autoren kümmern. Ich lebe mit Büchern und das ist für einen echten Bücherwurm natürlich genial.

5.Und was magst du gar nicht?
Der Büchermarkt ist sehr schwierig, das hatte ich ziemlich unterschätzt, als ich begonnen habe. Nur weil man ein gutes Buch im Verlagsprogramm hat, heißt das noch lange nicht, dass das gleich ein Super Bestseller wird. Da braucht man als Verleger auch schon mal einen langen Atem und viel Geduld. Manche Buchhandelsketten verlangen zum Beispiel Geld dafür, dass sie Bücher auf die Tische platzieren, an denen die Kunden die Ware begutachten können. Liegt man dort, dann verkauft man auch wesentlich besser. Dieses Geld habe ich im Moment nicht, das heißt ich muss kreativer sein, damit meine Leser meinen Verlag und die Bücher finden. Außerdem möchte ich allen Autoren sagen, dass er niemals voraussetzen sollte, dass er davon leben kann. Jeder Buchtitel, der auf dem deutschen Markt erscheint, verkauft sich im Durchschnitt 2000mal. Jetzt muss man bedenken, dass es Bücher wie die Feuchtgebiete oder 50 Shades of Grey gibt, die sich zum Teil Millionfach verkaufen. Das bedeutet für ganz viele, sehr gut geschriebene Bücher, dass sich diese vielleicht nur 50mal verkaufen. Das ist natürlich für jeden Autoren, aber auch den Verleger super frustrierend. Denn der eine hat viel Herzblut investiert, der andere zumindest Geld und auch Glauben an den Autor.

6.Was sind die Voraussetzungen für deinen Beruf und wie sieht der Weg dorthin aus?
Also ich kann jetzt nur für meinen Fall sprechen, aber ich habe einfach gesagt, ich mache das jetzt. Man sollte aber Ahnung von Marketing haben, Bücher lieben und bereit sein, gerade in den ersten Jahren auch viel Geld zu verbrennen. Der Markt und die Leser warten nicht auf Dich, sondern man muss sich bekannt machen und hoffen, dass die Leser einen und die kreativen Ideen und Bücher honorieren.

Selbst Horst Seehofer lernte den Verleger schon kennen :) 

7.Ist es dein Traumberuf oder würdest du was ändern, wenn du könntest?
Als ich mit dem Gedanken gespielt habe meinen Verlag zu gründen und das ein paar Leuten erzählt habe, haben mich fast alle gefragt, ob ich zu viel Geld habe und das verschenken will. Wie gesagt, der Markt ist schwierig und man muss sich was einfallen lassen. Ich hätte also gerne früher angefangen, mindestens 15 Jahre, dann wäre ich jetzt sehr viel weiter und mein Verlag wäre inzwischen mit Sicherheit schon bekannter. Das bereue ich sozusagen, ansonsten habe ich Spaß daran Verleger zu sein. Fragt mich doch in 5 Jahren wieder, dann lautet meine Antwort vielleicht anders.

8.In welchem Buch würdest du gerne leben?
Boah, eine verdammt schwere Frage. Da gibt es bestimmt ganz viele, am liebsten natürlich immer in dem Buch, das man gerade liest. Aber es gibt so 4 Alltime Highs, in denen ich sehr gerne leben würde:
Faust von Goethe, weil ich die Sprache so unglaublich liebe und die Story einfach ein ganzes Leben lang wahr ist. Es sind so viele Weisheiten darin enthalten, dass dieses Buch oft als Ratgeber dienen könnte.
ES von Stephen King, ich wäre gerne ein Teil der Bande der Verlierer gewesen, die gegen das Monster gekämpft haben. Als ich das Buch fertig gelesen hatte, war ich unglaublich traurig, weil es zu Ende war. Ich musste sofort noch mal von vorne anfangen.
Die Bücherdiebin von Markus Zusack. Die Story spielt in einer schlimmen Zeit und dennoch hat sie mich zutiefst berührt. Ich hätte - glaube ich - gerne in diesem Buch gelebt, obwohl am Ende alle Helden sterben, also dann wahrscheinlich auch ich gestorben wäre.
Die Abenteuer des kleinen Habi, erschienen im Schwarzbuch Verlag, weil der kleine Held so unfassbar komisch, verrückt und cool ist. Mit dem würde ich gerne Abenteuer erleben.

9.Hast du Kriterien, nach denen du beschließt, welche Bücher du annimmst?
Die Geschichte muss mich ansprechen und das Buch muss irgendwie in mein Verlagsprogramm passen. Tut es das nicht, dann hat das Buch zumindest in meinem Verlag keine Chance.

10.Spielt deine Meinung dabei eine große Rolle?
Da der Verlag mir gehört, habe ich das letzte Wort. Da setze ich mich auch gegen die Meinung aller Mitarbeiter durch, wenn es sein müsste. Das ist bisher aber noch nie passiert. Ich frage auch, was die Leute dazu sagen. Gerade bei dem Buch, das jetzt im Sommer erscheint, haben wir im Verlag lange diskutiert, welche Geschichten in den Sammelband reinkommen und welche wir nicht aufnehmen werden. Da habe ich auf die Meinung der anderen Mitarbeiter gehört.

11.Was machst du, wenn der Autor dir unsympathisch ist?
Gute Frage, ist bisher noch nicht passiert. Sollte das jedoch mal passieren, ausschließen kann man das ja nie, dann würde ich den Autor von einem meiner Mitarbeiter betreuen lassen. Allerdings muss ich dann an das Buch glauben. Wäre mir der Autor unsympathisch und das Buch auch noch schlecht, dann würde ich es einfach nicht verlegen.

12.Möchtest du uns noch etwas mitgeben?
Jeder Autor sollte erst einmal an sich glauben und darf auch von Ruhm und Erfolg träumen. Jedoch solltet Ihr auch immer die Zahl 2000 im Kopf bewahren. Und den Lesern möchte ich gerne ans Herz legen, dass sie auch kleinen Verlagen und den Büchern eine Chance geben sollten. Dort kann man durchaus super Bücher entdecken und spannende Geschichten lesen.


Ich kann den letzten Satz nur unterstreichen. Kleine Verlage aber auch Selfpublisher verdienen mehr Aufmerksamkeit, da in den Büchern manchmal sogar mehr Herzblut steckt und tollere Geschichten. 

Danke für das Interview
~Anna



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