Samstag, 13. Mai 2017

In der Plauderecke mit ... Gabi Büttner

Heute kommt natürlich ein neues Interview und ich merke schon, Autoren kann man nicht in ein paar Zeilen quetschen, sie brauchen einfach ihren Platz! Aber ich liebe dieses Interview, da es so einen tiefen Eindruck gibt :) Danke dafür

1. Verrate uns wer du bist und wo wir dich im Internet finden können:

Zu mir gibt es eigentlich nicht viel zu sagen. Geboren wurde ich am 23.04.1970 in Nienburg im schönen Niedersachsen. Meine Kindheit verlief eigentlich völlig normal. Abgesehen von der Tatsache, dass ich die Fibel in der ersten Klasse bereits nach einem halben Schuljahr durchgelesen hatte und unbedingt mehr wollte. Mehr Geschichten, mehr Spannung, mehr Abenteuer.
Ich gebe gern zu, dass ich eine Träumerin war – noch immer bin.
Außerdem habe ich eine ausgeprägte Neigung zu Psychopathen (es fasziniert mich, wie weit ein Mensch getrieben werden kann) und guten Serien, egal ob Buch oder TV-Reihen..
Dazu bin ich Mutter von drei erwachsenen Söhnen und Autorin, Lektorin, Vielleserin, Rat suchende Ratgeberin, gute Freundin, unorganisierte Chaotin. Realitätsfremd, fantasiebegabt, manchmal auch verwirrt. Ab und zu mal laut, oft stille Beobachterin. Schöpferin der Welten und vieler Leben, liebevoll Protagonisten genannt.
Ich mag lieber Metal statt Schlager, Ecken und Kanten statt glatt poliertet Oberflächen, Waffen statt Blumen. Ich gehe niemals ohne Notizbuch aus dem Haus und beherberge immer Kugelschreiber in meiner Tasche.

Eine Webseite kommt, sobald ich die Zeit dazu finde. Bis dahin erfahrt ihr Neuigkeiten auf meiner Facebookseite: https://www.facebook.com/autorenseitegabibuettner/

Oder über Instagram: gabibuettner70

2. Wie viele Bücher hast du geschrieben?

Insgesamt sind inzwischen neun Bücher fertig. Drei weitere sind in Arbeit.
Veröffentlicht habe ich allerdings erst die ersten beiden Teile der „Die Macht der Clans“ Reihe.
Teil drei folgt dieses Jahr, dazu noch die ersten beiden Teile der McLain-Reihe.


3. Wie heißen deine Bücher und wovon handeln sie?

Die Reihe heißt „Die Macht der Clans“ Teil 1 LiebesRebellion, Teil 2 LiebesTod (Teil 3 wird LiebesZorn heißen)

In den Büchern geht es um soziale Ungerechtigkeit, in einer sehr fortschrittlichen Welt, die auf der anderen Seite aber auch eher antiquierte Ansichten hat. Es geht um Unterdrückung, die Kluft zwischen arm und reich und um Liebe.

Die Handlung spielt auf Terra 2, wo die Menschheit nach Zerstörung der Erde eine neue Heimat fand. 300 Jahre nach der Besiedelung herrschen Clans über diese Welt. Die einfache Bevölkerung leidet unter der willkürlichen Herrschaft und der unersättlichen Gier der Clanführer.
Wer die geforderten Abgaben nicht zahlen kann, wird deportiert und zur Zwangsarbeit verpflichtet.
Hunger, Ausbeutung und öffentliche Hinrichtungen bestimmen den Alltag der Bürger.

Die Handlung dreht sich um Larissa und Chris
 Larissa wächst in der Oberschicht auf. Sie hat alles, was man sich wünschen kann. Reichtum, ein schönes Zuhause, Schutz. Dennoch ist sie unzufrieden. Sie fühlt sich eingeengt durch die starren Regeln und Vorschriften ihrer Gesellschaftsschicht.
Chris verbrachte die ersten Jahre seiner Kindheit in der Unterschicht. Er musste mitansehen, wie Clankrieger seine Eltern töteten, verlor dann auch noch seinen Bruder durch die Clans. Er schwor sich diese willkürliche Herrschaft zu beenden. Dann trifft er auf Larissa.
Beide sind – natürlich - voneinander angezogen. Doch ihre Herkunft, ihre Ansichten, alles woran sie glauben, ist komplett gegensätzlich.

Die Kernfrage meines Buches "Was würdest du opfern im Kampf um die Freiheit?", betrifft auch, oder besser grade diese beiden so unterschiedlichen Menschen.
Aber eigentlich betrifft diese Frage uns alle.

Bei der McLain-Reihe, (der erste Teil erscheint voraussichtlich im Juni) geht es um die Brüder Blake und Sam McLain.
Sieben Jahre waren beide in einem Labor gefangen. Blake wurde als Testperson benutzt, Sam dazu seinen Bruder unter Kontrolle zu halten. Im Alter von fünfzehn und neun Jahren gelingt ihnen die Flucht. Verfolgt von den Häschern des Laborleiters beginnt eine Jagd quer durch die USA die mehrere Jahre andauert.

4. Wie kamst du auf die Ideen zu deinen Werken?  

Es sind immer die Protagonisten, die zuerst in meinem Kopf erscheinen. Plötzlich sind sie da, sagen einen Satz, erregen meine Aufmerksamkeit.
Ich frage sie dann: „Wer bist du? Warum wurdest du so?“
Und dann erzählen sie mir ihre Geschichte.

Nur bei den McLains war es etwas anders.
Im Frühjahr 2015 traf ich in einer Autorengruppe auf Nina Döllerer. Sie suchte Testleser für ihren Fantasy-Roman. Ich meldete mich und daraus entstand eine tiefe Freundschaft.
Bis zu der Idee „Lass uns mal etwas zusammen schreiben“ war es nicht weit.
Nur was?
Schnell einigten wir uns darauf, es sollten zwei Brüder sein. Jede von uns übernahm eine „Rolle“
Geplant war ein Buch. Es wurden sieben draus :-D

5. Beschreibe doch mal den Weg von der Idee zum Buch:

Es fängt wie gesagt immer mit den Protagonisten an. Als erstes lerne ich sie ganz genau kennen. Vom Tag ihrer Geburt an bis zu dem Moment in dem sie in meinem Kopf auftauchen weiß ich alles über sie.
Was treibt sie an? Was hemmt sie? Welche Ziele haben sie? Warum wollen sie diese erreichen? Was steht ihnen dabei im Weg?
Danach folgt der „Weltenbau“. Wo spielt die Geschichte? Könnte sie auch woanders spielen? In welcher Umgebung leben sie?
Aus all dem ergibt sich dann die Handlung. Den Punkt an dem die Protagonisten gerade stehen habe ich ja schon. Ihr Ziel kenne ich auch. Anfang und Ende stehen also fest (meist endet die Geschichte dann doch anders als geplant, da meine Protagonisten ihren eigenen Kopf haben und nur allzu oft das Ruder übernehmen ^^)
Nun muss ich mir nur noch überlegen, wie sie zu ihrem Ziel kommen, was oder wer sie daran hindert es zu erreichen, warum sie gehindert werden.
Es folgt die Kapitelplanung, dann geht es endlich los mit dem Schreiben 


6. Wie hast du es geschafft deine Bücher zu veröffentlichen? Ich stelle mir das nicht leicht vor

Zu veröffentlichen ist leicht. Jeder kann heutzutage alles veröffentlichen. Leider …
Gut zu veröffentlichen ist etwas anderes. Es gilt jede Menge Entscheidungen zu treffen.
Verlag oder nicht? Wo finde ich einen Lektor? Wie bezahle ich den? Buchsatz? Wie geht das?
Was sind Hurenkinder, was sind Schusterjungen? Wo veröffentliche ich? Nur ebook oder auch Print? Wie soll ich Leser finden, es kennt mich doch niemand :-o

All das muss man für sich entscheiden und auch lernen.

Mein Vorteil ist, dass ich 15 Jahre im Buchhandel gearbeitet habe. Daher war für mich von Anfang an klar: „Die Macht der Clans“ wird nicht bei einem Verlag erscheinen. Dazu ist das Genre nicht klar genug definiert. Kein Buchhändler wüsste, wo er den Titel platzieren sollte.

Bei der ersten Veröffentlichung war ich noch relativ blauäugig. Ich dachte: „Bring es raus, die Leser finden es dann schon“
Nun, so funktioniert es nicht :-D

7. Hattest du Hilfe beim Schreiben?

Beim Schreiben selbst nicht, außer natürlich bei den McLains.
Hinterher hatte ich Hilfe. Ich kann mich glücklich schätzen ein sehr gutes Netzwerk von Testlesern und anderen Autoren im Rücken zu haben.
Ich bin Admin im Autoren_Netzwerk , so bekommen meine Admin-Kollegen meine Texte als erstes zu lesen. Zudem zwei bis vier Testleser (Autoren, aber auch „nur“ Leser)
Dadurch merke ich schnell, ob es noch Schwächen im Text gibt.
Dann geht das ganze ins Lektorat. Bei dem findet mein Lektor, der großartige Oliver Jung-Kostick, immer etwas. Schrecklich, was man bei den eigenen Texten alles so übersieht :-o

8. Wie viel schreibst du so am Tag?

Das ist ganz verschieden. Ich habe ja auch noch einen Brotjob und meine Familie möchte mich ab und an mal sehen. Aber ich bemühe mich, täglich mindestens 500 Wörter zu schreiben.

9. Was hast du gemacht, wenn du nicht wusstest, wie es weitergehen soll?

Die Protagonisten gefragt. Klingt merkwürdig, aber die wissen meist ganz genau, woran es liegt, dass man nicht weiter kommt.
 Ein Auszug? (Er entstand, als ich im ersten Teil nicht weiter kam)

Ich: Du warst nicht erfreut, als Larissa in den Quan Bergen auftauchte und Dave sie in die Basis brachte. Warum?
Chris: Ist das nicht offensichtlich? Nicht mal ich selbst möchte dort sein. Ich bin da, weil ich es muss. All die Menschen dort verlassen sich auf mich. Aber ich will die Clans zerstört sehen. Und darum tue ich, was ich tun muss
Larissa ist einfach losgestürmt. Sollte mir das vielleicht schmeicheln, dass sie sich meinetwegen in Gefahr brachte? Hast du nicht gesehen, in was für einen Zustand sie in der Basis ankam? Sie war halbtot. Sie hätte in diesen scheiß Bergen drauf gehen können. Sie überlegt einfach nicht.
Und Sie gehört einfach nicht in diese Basis. Sie hat besseres verdient
Ich: Etwas Besseres als dich?
Chris: Naja, was könnte ich ihr schon bieten? Haus, Kinder, weißer Gartenzaun (er lacht bitter auf) ganz bestimmt nicht. Sie wäre ständig in Gefahr
Ich: Dann denkst du also, all diese Menschen in der Basis sind dauerhaft in Gefahr? All die Männer, Frauen, Kinder sind dort nicht sicher?
Chris: Sie sind so sicher, wie es irgendwie geht. Aber die Gefahr entdeckt zu werden, angegriffen zu werden, sich verteidigen zu müssen, kämpfen zu müssen, sie ist allgegenwärtig. Jeden verdammten Tag. Und wenn du raus gehst zu einem Einsatz, du weiß nie, ob du wieder zurück kommst…
Außerdem, was soll sie in der Basis? Es gibt dort nichts für sie. Sie kann nicht mal eben shoppen gehen, sich mit Freundinnen treffen, Clubs besuchen, Party machen. Ich kann ihr dort nichts bieten. Außer einen Platz zum schlafen und Nahrung…
Ich: Ich hatte nicht den Eindruck, als ob es ihr auf Shoppen, Clubs und Party ankommt?
Chris: Sie stammt aus der Oberschicht, sie ist einen gewissen Komfort gewöhnt. Und den kann ich ihr einfach nicht bieten.
Ich: Hast du nicht selbst gesagt, sie wäre anders als jeder andere Angehörige der Oberschicht, den du bisher begegnet bist?
Chris: Ist sie ja auch. Aber mahaaannn (er fährt sich durch Haar) ich weiß nicht wie ich es ausdrücken soll…
Ich: Versuch es einfach?
Chris: Draußen, da hatte sie alles, was sie braucht und noch viel mehr. Viel Platz zum Wohnen, Freundinnen, mit denen sie reden konnte, Menschen, denen sie vertrauen konnte, eine Ausbildung, eine Berufung, sie hatte Beschäftigung und die Möglichkeit sich auszusuchen ob sie da jetzt grade Bock drauf hat oder nicht, sie hatte ihre Familie…
Das alles kann ich ihr nicht bieten. Ich kann ihr eines meiner Zimmer abgeben ok. Ein Zimmer, keine Suite. Ein Zimmer, mit Bett, Schrank, einem Regal. Keine Küche, kein Luxusbad, aber zumindest müsste sie das Bad nur mit mir teilen und müsste nicht die Gemeinschaftsduschen benutzen. Wow, was ein Held ich bin, nicht wahr?
Wir haben nicht unendlich Platz. Gott, ich habe 5, 6 köpfige Familien hier unten, die müssen sich zwei Zimmer teilen. Wir haben Kantinen, keine Küchen, wo man sich mal eben das brutzeln kann, worauf man grade Lust hat. Das Nahrungsangebot ist beschränkt. Weißt du, wie wir unser Geld machen?
Ich: Ähm ja, ich hab es mir ausgedacht?
Chris: Ja, aber hast du da mal richtig drüber nachgedacht? Wir gehen raus und stehlen. Wir wissen wann die Clans ihre Abgaben holen und wir holen sie uns zurück. Hast du da auch nur ein Wort drüber geschrieben? Nein, nicht wahr? Kein Wort davon, wie gefährlich dieser ganze Scheiß ist. Kein Wort davon, dass wir Diebe sind. Diebe und Bettler. Überrascht, dass wir Bettler sind? Wir bekommen Unterstützung aus Gebieten mit nicht ganz so hohen Abgaben, aus der Mittelschicht auch, vereinzelnd aus der Oberschicht. Und was ist das anderes als betteln?
Ich: Dafür, dass du deine Emotionen immer unter Kontrolle hast, lässt du grade ganz schön viel Bitterkeit durchkommen…
Chris: Suprise Suprise…. Dann frag nicht, wenn du die Antworten nicht wissen willst…
Ich: Tschuldigung… Aber ich glaub jetzt seh ich klarer.
Chris: Wie schön für dich….
Ich: Du musst nicht arschig sein
Chris: Leck mich
Ich: Du hast schon einen geilen Knackarsch…
Chris: Und du merkst schon, dass das hier ein ganz kleines bisschen krank ist?

Danach sah ich klarer. Es war mir z.B. überhaupt nicht bewusst, dass Chris nicht der strahlende Held sein wollte, als den ich ihn sah :-o

10. In welchem Buch würdest du gerne leben?

  Das ist eine sehr schwere Frage. Geht auch Buchreihe? Dann nehme ich die Black Dagger Reihe *-*
Macht der Clans wäre toll, Mclains wäre toll, Zessalonn wäre toll, Aber sind wir mal ehrlich, ich würde dort keine Woche überleben :-D


11.Trifft man dich auf Messen an?

Dieses Jahr war ich in Leipzig, allerdings nur als Besucher. Ich liebe die Atmosphäre auf den Messen und natürlich überlege ich auch einmal als Aussteller dort zu sein. Doch auch hierbei gilt: So viel zu tun, so viel zu planen und so wenig Zeit.
Vielleicht klappt es 2019 

12. Nun hast du noch Raum, deiner Kreativität freien Raum zu lassen:

Hm, vielleicht interessiert es einige, wie es sich als Autorin so mit den Protagonisten lebt?
Es kommt dabei ab und an zu merkwürdigen Gesprächen ^^

 „Chris!“
Ich kann nicht verhindern, dass meine Stimme einen leicht hysterischen Unterton hat. Aber es ist Montag 20.30 Uhr und ich habe noch immer kein weiteres Wort an dem dritten Teil meiner Reihe geschrieben. Wie soll ich auch, wenn mein Protagonist mich andauernd abblockt. Das muss ein Ende haben. Jetzt!
„Ich weiß, dass du mich hörst, also komm schon endlich her! Wir müssen reden“, füge ich, in der Hoffnung auf eine Reaktion hinzu.
Und wirklich, er erscheint. Mit mürrischem Gesichtsausdruck und vor der Brust verschränkten Armen lehnt er am Türrahmen. „Was willst du?“
Begeisterung sieht anders aus, Freude über ein Wiedersehen auch.
„Wir müssen arbeiten“, erkläre ich ihm dennoch geduldig.
Er hebt eine Braue. „Wir?“ Seine Stimme klingt ätzend. „Hast du jetzt wieder Zeit für mich, ja?“
Ich widerstehe dem Drang die Augen zu verdrehen. „Natürlich. So war es doch von Anfang an geplant.“
„Du meinst, bevor du diese drei Testosteronjunkies in dein Leben geholt und beschlossen hast, ihre Geschichte wäre wichtiger als meine?“
„So war es doch gar nicht, dass weißt du.“
„Weiß ich das?“ Er schiebt sein Kinn nach vorn.
Ich finde Trotz steht ihm nicht, aber ich hüte mich ihn darauf hinzuweisen. Stattdessen kneife ich die Augen zusammen und betrachte ihn genauer.
„Du bist eifersüchtig.“, stelle ich dann fest.
Er schnaubt nur. „Auf was? Auf diese Idioten, die du ohne Sinn durch dieses merkwürdige Land hetzen lässt? Wohl kaum. Warum geht es bei ihnen schon? Um eine Handvoll Leben, während ich um die Zukunft eines ganzen Planeten kämpfe. Die können mir nicht das Wasser reichen.“
„Arroganz steht dir nicht.“
Er wird stocksteif. Sein Blick scheint mich in handliche Würfel zerteilen zu wollen. Eine reife Leistung bei meinem Umfang. Ich bin allerdings entschlossen mich nicht einschüchtern zu lassen.
„Setz dich“, bitte ich ihn, „und erzähl mir, was wirklich los ist.“
„Was los ist?“ Er stößt sich von der Wand ab, aber anstatt sich zu setzen, fängt er an unruhig im Raum umher zu gehen. „Du lässt mich mitten auf der Flucht zurück. Weißt du eigentlich, was für Folgen es hatte, was du Batisté mit mir hast anstellen lassen?“
„Nein, wie denn, wenn du dich weigerst mit mir zu reden. Ich hab versucht mich in dich hinein zu versetz…“
„Schwachsinn“, unterbricht er mich. „Du hast mich in diesen Gleiter gesetzt und so tun lassen, als wäre nichts geschehen. Ich bin kein Übermensch, du Superautorin!“
Ups, er wird unfair. Es ist also ernst. Warum hab ich ihn nicht zu einem Mann gemacht, der einfach mal sagt, was er meint, anstatt ständig seine Gefühle zu verstecken? Innerlich zucke ich mit der Schulter. Um ihn zu ändern ist es zu spät und eigentlich gefällt er mir auch wie er ist.
„Starrst du mich schon wieder an?“ Nur schwach dringt seine Stimme zu mir durch.
Mist, ertappt. Schnell schiebe ich das Bild eines anderen vor mein inneres Auge. Jemanden mit breiten Schultern und einer Stimme wie aneinander reibende Kiesel.
„Tu das nicht!“, schnapp Chris. „Denk nicht an IHN während du mit mir sprichst!“
„Hör auf in meinen Kopf zu sehen“, wehre ich mich.
„Ich bin IN deinem Kopf!“
Oh, dem hab ich nichts entgegenzusetzen. Warum vergesse ich das nur ständig?
„Wenn du endlich mal aufhören könntest über IHN und seine Kindheit, seine Vergangenheit, sein ganzen Leben nachzudenken, könntest du mir auch zuhören, wenn ich versuche mit dir zu reden“, wütet er weiter.
Verdammt, er hat recht.
„Ich höre dir jetzt zu“, versuche ich ihn zu beruhigen.
„Welche Ehre für einen grünen Jungen.“
Ach darum geht es? Ein dummer Spruch, den ich vor Monaten einmal machte, indem ich Chris verglich mit… Nein, ich habe versprochen nicht an ihn zu denken.
„Du weißt, dass es nicht so gemeint war.“
Prüfend mustert er mich, dabei muss er wissen, dass es stimmt. Hat er mich doch soeben selbst darauf hingewiesen, er ist IN meinem Kopf.
„Gut“, mault er und lässt sich endlich dazu herab sich zu setzen. „Dann mach mich endlich wieder zu dem, der ich bin. Zu einem normalen Mann, der kämpft. Nicht zu einem Supermann, der alles ohne Folgen hinnimmt.“
„Du willst leiden?“
Sein Blick bohrt sich in meinen und mir bleibt die Luft weg. Für einen kurzen Moment gewährt er mir Einsicht in sein Inneres. Ich sehe Schmerz, körperlich als auch seelisch und muss schlucken.
„Das warst du“, sagt er ohne Vorwurf. „Du hast mich da hinein getrieben, Nun hol mich da auch wieder heraus.
Ich kann nur nicken. „Hilfst du mir dabei?“
„Hab ich eine andere Wahl?“ Er seufzt, aber zumindest wirkt er kooperativ.
„Gut, womit fangen wir an?“
„Womit wohl? Mit der Playlist natürlich. Kein Wunder, dass du nur Mist schreibst, wenn du SEINE Musik hörst“
Das klingt wie ein Plan, daher nehme ich diesen Kommentar einfach hin, grinse erleichtert und drehe die Musik an.
„Also, los geht´s“
Leise beginnt er zu sprechen …


Nochmals danke, für dieses tolle Interview. Wenn sie und Chris euch gefallen haben, dann könnt ihr hier nochmal nachlesen, wie Liebesrebellion fand.

~Anna


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